Meeresboten

Jetzt baut ihr Mauern und Zäune
gegen Menschen in Booten
hängt doch noch ein Schild ans Meer:
„Sterben ist hier verboten!“

Das ist nicht mein Europa ohne Solidarität
Ihr seid keine Opfer, ihr erntet, was ihr sät

Das ist eine Gemeinschaft ohne Wir
mit diagnostizierter Narzissmus Störung
Wenn wir hier keine Werte mehr haben
wird das Nichts ganz euch gehören

Wofür sollen diese Menschen ertrinken
Was fällt wirklich ins Gewicht
denn simples Leben reicht scheinbar nicht
Sind es unsere friedlichen Waffenlieferungen
Bomben weit genug weg
eine Drohne gegen Frauen, Mädchen, Jungen?
Sind es unsere ausgelagerten Textilfabriken
in denen für unsere Herbstkollektion
Menschen an Chemikalien ersticken?
Sind es die paar Cent fürs Tanken
weil die Erde genug Öl hat
und sich die Araber dafür brav bedanken?
Sind es die Kilos an Fleischverzehr
Haben wir einfach sehr großen Hunger
oder wollen wir immer mehr?

Das ist eine Gemeinschaft ohne Wir
mit diagnostizierter Narzissmus Störung
Wenn wir hier keine Werte mehr haben
wird das Nichts ganz euch gehören

Es gibt nur eine Obergrenze
das ist die eine Erde
Wir sind nicht alleine
und wir sind Zukunft und Erbe

Seht auf den Meeresboden
Ich zeig euch den Preis
Das ist eure Gerechtigkeit
Das ist es, was Europa heißt

8 Gedanken zu “Meeresboten

  1. was bleibt schreibt:

    Alles was Du sagst empfinde ich als mitfühlender Mensch genau so und doch wird es wichtig gewesen sein, sich von diesem Schmerz, der sich snst mit jedem erneuten Nachdenken über diese Tragik immer mehr potenzierte, nicht unterkriegen zu lassen. Er würde unser Leben mit einem Grauschleier überziehen, uns schwächen und möglicherweise zu überzogenen Handlungen verleiten.
    Der Ausspruch: einen kühlen Kopf be-wahren und trotzdem das Mitgefühl nicht aufzugeben, hatte schon immer Menschen veranlasst sinnvoll zu handeln.

    Liebe Grüße
    Barbara

    • sonjaweichand schreibt:

      Liebe Barbara,
      Ja, manchmal ist es besser, den Schmerz, wie du es nennst, oder die Wut, wie ich es vielleicht sagen würde, rauszulassen. Auch die kann ja etwas ändern. Zumindest wenn andere genauso empfinden. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie du das mit dem kühlen Kopf meinst. Sicherlich bietet der Text keine Lösungsansätze und die sind eben im realen Leben und Handeln auch schwer zu finden und umzusetzen. Dazu ist es dann gut, einen kühlen Kopf und vorallem viel gesunden Zweifel zu haben.
      Danke für deine Gedanken.
      Sonja

      • was bleibt schreibt:

        Liebe Sonja,
        gesunder Zweifel wäre die Alternative zum kühlen Kopf. So ist es gemeint 🙂
        Barbara

  2. maribey schreibt:

    Ich freue mich über dein Folgen und bin der Spur gerne gefolgt. Mir gefällt sehr, was ich hier bei dir lese und finde. Herzliche Grüße von deiner neuer Followerin Marion

  3. Ule Rolff schreibt:

    Liebe Sonja, ich freue mich über dein Gedicht, das aus großem Herzen spricht. Wir werden das Wirtschaftssystem, das für die Ursachen des Elends verantwortlich ist, kurzfristig nicht ändern. Aber wir können das Leid für die Betroffenen ändern und zeigen, dass viele Menschen nicht einverstanden sind, zum Beispiel wie in unserem Dorf: https://menschen-fuer-reken.org/
    Und durch unsere Gedichte, deine, meine, viele.
    Gruß
    Ule

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